Doppelte Haushaltsführung in Wegverlegungsfällen

Bundesfinanzhof ändert seine Rechtsprechung. Diese Aufwendungen können Sie abziehen

Bei einer doppelten Haushaltsführung unterhält ein Arbeitnehmer zwei Wohnungen.
Eine Hauptwohnung außerhalb des Beschäftigungsortes, die den Mittelpunkt seiner Lebensinteressen bildet, z. B. die Familienwohnung, und eine Zweitwohnung am Beschäftigungsort, von der aus er seine Arbeitsstätte regelmäßig aufsucht.
Der Arbeitnehmer muss in der Hauptwohnung einen eigenen Hausstand unterhalten.

Bisher vertrat der Bundesfinanzhof (BFH) in seiner Rechtsprechung die Auffassung, dass in sog. Wegverlegungsfällen, in denen die Familienwohnung aus privaten Gründen vom Beschäftigungsort wegverlegt und am Beschäftigungsort eine Zweitwohnung beibehalten oder begründet wird, keine beruflich veranlasste doppelte Haushaltsführung vorliege.
Vielmehr wurde von einer steuerlich schädlichen privaten Veranlassung ausgegangen, wenn der Zweithaushalt am Beschäftigungsort auf die Wegverlegung der Hauptwohnung vom Beschäftigungsort an einen anderen Wohnort zurückzuführen war.

Diese Rechtsprechung hat der BFH mit zwei Urteilen nun aufgegeben.

Danach ist die Begründung einer Zweitwohnung beruflich veranlasst, wenn der Arbeitnehmer von dieser Wohnung aus seinen Arbeitsplatz aufsucht. Entscheidend ist, dass zu einem vorhandenen Haupthaushalt ein aus beruflichen Gründen unterhaltener Zweithaushalt (doppelter Haushalt) hinzukommt. Dies gilt auch, wenn die Hauptwohnung aus privaten Gründen vom Beschäftigungsort wegverlegt und die bisherige Hauptwohnung nun als Zweitwohnung unterhalten wird, um von dort aus den Arbeitsplatz zu erreichen.

Als Aufwendungen für die doppelte Haushaltsführung sind unbefristet abzugsfähig:
  • Kosten der Unterkunft am Beschäftigungsort (höchstens die Miete für eine durchschnittliche 60-qm-Wohnung)
  • Verpflegungsmehraufwand (24 EUR pro Tag in den ersten drei Monaten)
  • Eine Familienheimfahrt oder eine Besuchsfahrt der Ehefrau pro Woche oder ein Ferngespräch von 15 Minuten
  • Umzugskosten
(Rechtsgrundlage: Urteile des BFH vom 05.03.2009, VI R 23/07 und VI R 58/06)

Veröffentlicht im Oktober 2009