Hinweise für Berufseinsteiger – Keine Angst vor der ersten Steuererklärung

Steuererstattungen nicht verschenken – Abgabefristen beachten

Die erste Steuererklärung

Viele Vorschriften, häufige Rechtsänderungen und zahlreiche Ausnahmeregelungen machen das Einkommensteuerrecht nicht gerade einfach. Viele Berufseinsteiger fürchten sich deshalb vor ihrer ersten Einkommensteuererklärung und dem Formularkrieg mit dem Finanzamt. Doch die Mühe kann sich lohnen, denn viele Steuerzahler können sich nach Abgabe der Einkommensteuererklärung über eine Erstattung vom Finanzamt freuen.

Zudem gestalten sich die steuerlichen Verhältnisse von Berufsanfängern in der Regel noch recht überschaubar. Wer gerade seine Berufsausbildung beendet hat oder von der Schule oder Universität kommt, ist selten verheiratet, hat meist keine Kinder, keine Immobilien und auch kein größeres Kapitalvermögen.

Von den zahlreichen Formularen, die im Rahmen einer Einkommensteuererklärung anfallen können, werden Berufseinsteiger bei ihrer ersten Steuererklärung in der Regel nur einige Wenige benötigen. In den meisten Fällen werden lediglich Einkünfte aus einer nichtselbständigen Tätigkeit (z. B. aus einem Angestelltenverhältnis) vorliegen, die in der Anlage N zu erklären sind. Die erforderlichen Angaben zum Arbeitslohn ergeben sich aus der Lohnsteuerbescheinigung des Arbeitgebers. Als Werbungskosten können beispielsweise abgezogen werden:

  • Die Wege zwischen Wohnung und der ersten Tätigkeitsstätte (Ansatz mit der Entfernungspauschale von 0,30 EUR/Km)
  • Aufwendungen für Arbeitsmittel (z. B. Büromaterial, Fachliteratur, Arbeitskleidung)
  • Abschreibungsfähige Arbeitsmittel, die nicht unwesentlich beruflich genutzt werden (z. B. PC, Laptop, Drucker, Büromöbel)
  • Fortbildungskosten (z. B. Unterrichtsmaterialien, Kursgebühren, Fahrtkosten)
  • Reisekosten bei beruflich veranlassten Auswärtstätigkeiten (z. B. Dienstreisen, Veranstaltungen)

Bei der überwiegenden Zahl der Berufseinsteiger wird sich der Werbungskostenabzug auf diese Positionen beschränken. Die Anlage N enthält weitere Werbungskostenpositionen, die ggf. im Einzelfall zu erfassen sind.

In der Anlage Vorsorgeaufwand werden abziehbare Vorsorgeaufwendungen wie

  • Altersvorsorgebeiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung (aus der Lohnsteuerbescheinigung)
  • Beiträge zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung (aus der Lohnsteuerbescheinigung)
  • Beiträge zu sonstigen Versicherungen
    • Arbeitslosenversicherung (aus der Lohnsteuerbescheinigung)
    • Unfallversicherung
    • Haftpflichtversicherung (private und Kfz-Haftpflicht)

erklärt.

Im sog. Mantelbogen zur Einkommensteuererklärung sind

  • allgemeine personenbezogene Angaben
  • die gezahlte Kirchensteuer (aus der Lohnsteuerbescheinigung)
  • Aufwendungen für die eigene Berufsausbildung, die im Rahmen einer Erstausbildung oder eines Erststudiums angefallen sind
  • ggf. Spenden und Mitgliedsbeiträge
  • angefallene Krankheitskosten (als außergewöhnliche Belastung)
  • Aufwendungen für haushaltsnahe Dienst- und Handwerkerleistungen

zu erfassen.

Damit beschränkt sich die erste Steuererklärung eines Berufseinsteigers, der als Arbeitnehmer tätig ist, in den meisten Fällen auf lediglich 3 Formulare. Auch die Zahl der dafür erforderlichen Unterlagen ist noch relativ überschaubar. Angst vor der ersten Einkommensteuererklärung braucht deshalb niemand zu haben.

Die Formulare und auch Hinweise zum Ausfüllen der Formulare liegen bei den Finanzämtern aus oder können im Internet unter www.bundesfinanzministerium.de oder www.formulare-bfinv.de heruntergeladen werden. Daneben besteht auch die Möglichkeit, die Einkommensteuererklärung elektronisch abzugeben. Die Finanzverwaltung bietet dazu kostenlos ein amtliches Programm (das ELSTER-Steuerprogramm) an, mit dem die Steuererklärung am PC ausgefüllt und via Internet an das Finanzamt übermittelt werden kann. Das Programm kann unter www.elster.de heruntergeladen werden. Wer seine Steuererklärung mit einem handelsüblichen Softwareprogramm anfertigt, erhält die Formulare sowie Erläuterungen und Hilfen mit der Programm-CD. Wer trotzdem den Aufwand scheut und sich nicht an den freien Wochenenden mit seiner Steuererklärung beschäftigen möchte, ist herzlich eingeladen, sich mit uns in Verbindung zu setzen und dem Profi die Erstellung seiner Steuererklärungen zu überlassen. Auch wer nur ein wenig Unterstützung bei der ersten Steuererklärung benötigt, kann sich an uns wenden, z. B. stellen wir auf Anfrage gerne eine Checkliste zu den erforderlichen Angaben und Unterlagen für die Erstellung von Einkommensteuererklärungen zur Verfügung.

Abgabefristen beachten

Die Einkommensteuererklärung ist grundsätzlich bis zum 31.5. des Folgejahres beim Finanzamt abzugeben. Wer einen Steuerberater oder einen Lohnsteuerhilfeverein mit der Erstellung der Erklärung beauftragt, kann eine verlängerte Abgabefrist bis zum 31.12. des Folgejahres in Anspruch nehmen. In Hessen gilt darüber hinaus eine verlängerte Frist bis zum 28.02. des Jahres nach dem Folgejahr. Die Abgabefristen sollten unbedingt eingehalten werden, da bei verspäteter Abgabe Verspätungszuschläge drohen.

(Rechtsgrundlagen: §§ 149 – 152 der Abgabenordnung, jährliche Erlasse der obersten Finanzbehörden der Länder über Steuererklärungsfristen)

Veröffentlicht im Februar 2016