Gestaltungshinweise zum Jahreswechsel 2014/2015 und Ausblick auf 2015

Steuerlast für 2014 reduzieren – Fristen zum 31.12.2014 beachten – Jahressteuergesetz 2015 – Das plant die Bundesregierung

Gestaltungshinweise zum Jahreswechsel: So reduzieren Sie die Steuerlast für 2014

Es ist mal wieder soweit. Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Die nächste Einkommensteuererklärung steht bald schon wieder an und damit auch die Frage nach Möglichkeiten, die Steuerlast des Veranlagungsjahres zu reduzieren. Aus der Vielzahl von Möglichkeiten haben wir einige Gestaltungshinweise ausgewählt, die im Folgenden dargestellt werden.

Steuerermäßigung für haushaltsnahe Dienst- und Handwerkerleistungen ausschöpfen

Sofern die Höchstgrenzen der Steuerermäßigungen für haushaltsnahe Dienstleistungen (4.000 EUR) und Handwerkerleistungen (1.200 EUR) noch nicht ausgeschöpft sind, sollten bereits vorliegende Rechnungen noch in 2014 durch Überweisung gezahlt werden. Sind die Höchstgrenzen für die Steuerermäßigung bereits erreicht, sollten die Rechnungen erst im neuen Jahr bezahlt werden, da eine Zahlung in 2014 keine steuermindernde Wirkung entfaltet.

Krankheitskosten noch in 2014 bezahlen

Der Ansatz von Krankheitskosten (z. B. Aufwendungen für Zahnbehandlung, für eine Brille, Zuzahlungen für ärztliche Behandlungen oder Medikamente) wirkt sich unter den gegebenen steuerrechtlichen Regelungen erst aus, wenn die sog. zumutbare Belastung überschritten ist. Diese berechnet sich als bestimmter Prozentsatz des Gesamtbetrags der Einkünfte in Abhängigkeit von der Einkommenshöhe, der Anzahl der Kinder, für die ein Anspruch auf Kindergeld oder den Kinderfreibetrag besteht, bzw. ohne Kinder nach dem anzuwendenden Tarif (Grund- oder Splittingtarif). Sofern die zumutbare Belastung noch nicht überschritten ist, sollten offene Rechnungen noch vor dem 31.12.2014 bezahlt werden, um einen steuermindernden Abzug zu realisieren.

Hinweis
Hinsichtlich der Frage des Abzugs einer zumutbaren Belastung bei Krankheits- und Pflegekosten ist inzwischen ein Verfahren beim Bundesfinanzhof (BFH) anhängig. Einkommensteuerbescheide werden von den Finanzämtern deswegen mit einem Vorläufigkeitsvermerk versehen, das heißt, die Bescheide bleiben in diesem Punkt offen. Es besteht die Chance, dass die im Einkommensteuergesetz geregelte Kürzung der Krankheits- und Pflegekosten um eine zumutbare Belastung als verfassungswidrig angesehen werden könnte. Um sich diese Chance zu bewahren, sollten Steuerpflichte auf jeden Fall ihre Krankheits- und Pflegekosten in der Einkommensteuererklärung ansetzen. Bei einem günstigen Ausgang würde der Einkommensteuerbescheid dann von Amts wegen geändert und es käme zu einer Steuererstattung.

Versicherungsbeiträge noch in 2014 entrichten

Wegen umfangreicher Höchstbeträge kann durch Beitragszahlungen für zusätzliche Altersvorsorgeaufwendungen zur Basisversorgung (Rürup-Rente) der Sonderausgabenabzug für 2014 deutlich erhöht und die Steuerlast wesentlich reduziert werden. Für viele beschränkt abziehbare Vorsorgeaufwendungen (z. B. Haftpflicht- und Unfallversicherungen) liegen die Beitragsrechnungen für das Jahr 2015 bereits vor. Durch eine Zahlung vor dem Jahreswechsel kann der Sonderausgabenabzug für das Jahr 2014 erhöht werden. Es gilt das Abflussprinzip. Danach werden Ausgaben in dem Jahr berücksichtigt, in dem sie geleistet werden.

Hinweis
Hinsichtlich der Frage des beschränkten Abzugs von sonstigen Vorsorgeaufwendungen ist ebenfalls ein Verfahren beim BFH anhängig. Auch in diesem Punkt ergehen Einkommensteuerbescheide vorläufig. Alle sonstigen Vorsorgeaufwendungen sollten deshalb in der Einkommensteuererklärung angesetzt werden um die Chance zu bewahren, von einer möglichen steuerzahlerfreundlichen Gerichtsentscheidung zu profitieren.

Werbungskosten für Arbeitnehmer noch in 2014 realisieren

Zur Minderung der Steuerlast für das Jahr 2014 können Ausgaben für beruflich veranlasste Aufwendungen in das Jahr 2014 vorgezogen werden, z. B. die Anschaffung von Arbeitsmitteln (PC, Notebook, Drucker, Kombinationsgeräte, Schreibtisch, Regale). Auch hier gilt das Abflussprinzip. Die Verlagerung von Ausgaben ins Jahr 2014 ist sinnvoll, wenn der Arbeitnehmer-Pauschbetrag (1.130 EUR ab 2014) dadurch überschritten wird und somit höhere Werbungskosten die Einkünfte aus nichtselbständiger Tätigkeit im Jahr 2014 mindern.

Frist für die Altersvorsorgezulage 2012 beachten

Bei einem sog. Riester-Vertrag kann die Altersvorsorgezulage für das Jahr 2012 letztmals bis zum 31.12.2014 über den Anbieter der Altersvorsorge beantragt werden. Falls noch nicht geschehen, sollte der Antrag noch rechtzeitig gestellt werden, um den Anspruch auf die Zulage nicht zu verlieren.

Entwurf des Jahressteuergesetzes 2015 – geplante Änderungen zum Jahreswechsel

Am 24.09.2014 hat das Bundeskabinett den Entwurf eines „Gesetzes zur Anpassung der Abgabenordnung an den Zollkodex der Union und zur Änderung weiterer steuerlicher Vorschriften“ beschlossen. Das Gesetz wird auch als Jahressteuergesetz 2015 bezeichnet. Das Gesetzgebungsverfahren soll bis zum Jahresende abgeschlossen sein. Wie schon in den Vorjahren, wurden in den Gesetzesentwurf wieder zahlreiche Änderungen und Korrekturen quer durch das Steuerrecht gepackt. Im Folgenden werden einige der geplanten Änderungen, die das Einkommensteuergesetz und damit die meisten Steuerpflichtigen betreffen, kurz beleuchtet (Stand 05.12.2014):

Erstausbildung/Berufsausbildung

Die „erstmalige Berufsausbildung“ wird neu definiert. Danach beträgt die Mindestdauer für eine Erstausbildung 12 Monate (ursprünglich waren 18 Monate vorgesehen). Außerdem wird ein „Qualitätsnachweis“ in Form einer Abschlussprüfung verlangt. Damit werden kürzere Schulungen und Lehrgänge, die berufsbezogene Kenntnisse vermitteln (z. B. zum Flugbegleiter, Rettungssanitäter, Taxifahrer, Berufskraftfahrer) nicht mehr als Erstausbildung anerkannt. Ein Studium oder eine Berufsausbildung stellen demnach nur dann keine Erstausbildung dar, wenn ihnen eine erstmalige Berufsausbildung von mindestens 12 Monaten mit einer Abschlussprüfung vorausgehen. Auswirkungen hat dies auf den Abzug der Aufwendungen in der Einkommensteuererklärung. Nach wie vor sieht der Gesetzgeber eine Zweiteilung vor, wonach Aufwendungen für eine Erstausbildung (Erststudium und Berufsausbildung nach den Schulabschluss) bis zu einem Betrag von 6.000 EUR lediglich als Sonderausgaben abziehbar sind. Die Aufwendungen für eine Zweitausbildung können jedoch unbegrenzt als (vorweggenommene) Werbungskosten oder Betriebsausgaben zu künftigen Einnahmen abgezogen werden (Feststellung von Verlustvorträgen für nachfolgende Jahre). Der Sonderausgabenabzug bringt den meisten Studenten und Auszubildenden, die während des Studiums oder der Ausbildung keine oder nur geringe Einkünfte erzielen, gar nichts.

Hinweis
Diesen vom Gesetzgeber geregelten Ausschluss des Werbungskosten- bzw. Betriebsausgabenabzugs der Kosten einer Erstausbildung hält der VI. Senat des Bundesfinanzhofs für verfassungswidrig und hat deshalb mehrere Verfahren dem Bundesverfassungsgericht zur Entscheidung vorgelegt. Wir berichten darüber im Januar 2015.

Freistellungsaufträge/Nichtveranlagungsbescheinigungen

Diese Maßnahmen zur Vermeidung des Kapitalertragsteuerabzugs durch die Banken können künftig auch noch unterjährig nachgereicht werden. Eine Korrektur und Rückzahlung einbehaltener Kapitalertragsteuer wird dadurch ab 2015 so lange möglich sein, wie die Bank noch keine Steuerbescheinigung ausgestellt hat. Durch diese Änderung soll vermieden werden, dass Einkommensteuererklärungen nur deshalb eingereicht werden müssen, weil Freistellungsaufträge oder Nichtveranlagungsbescheinigungen verspätet eingereicht wurden und der Steuerabzug durch die Bank bereits erfolgt ist.

Kinderfreibeträge bzw. Kindergeld

Kinder werden auch bei einer 4-monatigen Zwangspause zwischen zwei Ausbildungsabschnitten steuerlich berücksichtigt. Dies soll erweitert werden auf die Ableistung des freiwilligen Wehrdienstes. Die Zeit des freiwilligen Wehrdienstes selbst wird aber nach wie vor für den Anspruch auf den Kinderfreibetrag nicht berücksichtigt. Diese Regelung wird auch in das Bundeskindergeldgesetz übernommen und ist damit auch für den Bezug von Kindergeld relevant.

Zuschläge für Kindererziehungszeiten

Die Zuschläge, die zu Versorgungsbezügen gewährt werden, sind bisher steuerfrei. Zuschläge zur gesetzlichen Rente werden jedoch besteuert. Diese Ungleichbehandlung könnte verfassungswidrig sein. Die Steuerfreiheit der Zuschläge zu den Versorgungsbezügen wird deshalb abgeschafft. Dies betrifft jedoch nur Zuschläge für nach dem 31.12.2014 geborene Kinder. Für bereits gezahlte Zuschläge bleibt es bei der bisherigen Regelung.

Außer den dargestellten Änderungen sieht das Jahressteuergesetz 2015 zahlreiche weitere Änderungen vor, deren Darstellung jedoch den Rahmen dieses Artikels sprengen würde. Erst wenn das Gesetz in seiner endgültigen Fassung verabschiedet worden ist, werden wir wissen, was im neuen Jahr definitiv auf uns zukommt. Dann werden wir hier darüber informieren.

Veröffentlicht im Dezember 2014