Neues zur Steuerermäßigung für Handwerkerleistungen

Änderungen der Verwaltungsauffassung  – Ausweitung der begünstigten Maßnahmen – Haushaltsbezogene Höchstbeträge – wichtige Änderungen bei Schornsteinfegerleistungen

Die Steuerermäßigung für Handwerkerleistungen gibt es inzwischen seit mehr als 10 Jahren. Seitdem hat die Vorschrift des § 35a Abs. 3 Einkommensteuergesetz (EStG) an Bedeutung gewonnen und bringt vielen Steuerpflichtigen regelmäßig zumindest eine kleine Steuerersparnis bei ihrer Einkommensteuerveranlagung. Für die Inanspruchnahme solcher Leistungen ermäßigt sich die Einkommensteuer auf das zu versteuernde Einkommen (tarifliche Einkommensteuer) auf Antrag um 20% der Aufwendungen, maximal um 1.200 EUR. Begünstigt sind die in Rechnung gestellten Aufwendungen für Arbeitskosten sowie Maschinen- und Fahrtkosten einschließlich der darauf entfallenden Umsatzsteuer, sofern die Rechnung unbar (durch Überweisung) beglichen wird. Aufwendungen für Material sind nicht begünstigt.

Über die Jahre hat die Regelung immer wieder die Finanzgerichte und den Bundesfinanzhof (BFH) beschäftigt. Insbesondere das BFH-Urteil 13.07.2011 brachte Bewegung in die Auffassung der Finanzverwaltung und führte zu einer Ausweitung der von der Steuerermäßigung begünstigten Maßnahmen.

Das Bundesministerium der Finanzen (BMF) hat mit seinem Schreiben vom 10.01.2014 die Verwaltungsauffassung an die Entwicklung der Rechtsprechung angepasst und zu verschiedenen Zweifelsfragen Stellung genommen.

Der vorliegende Artikel behandelt den in § 35a Abs. 3 EStG geregelten Bereich der haushaltsnahen Handwerkerleistungen, der wohl die meisten Steuerzahler betrifft. Auf haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse und Dienstleistungen (§ 35a Abs.1 und 2 EStG) gehen wir an dieser Stelle nicht ein. Eine ausführliche Checkliste zu den haushaltsnahen Dienst- und Handwerkerleistungen haben wir unter der Rubrik „Checklisten“ für Sie bereitgestellt.

Unter den Begriff der Handwerkerleistungen fallen alle handwerklichen Tätigkeiten für Renovierungs-, Erhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen, wie zum Beispiel:

  • Reparatur-, Wartungs- und Austauscharbeiten an Heizungs- und Sanitäranlagen, Bodenbelägen und Gegenständen im Haushalt (z. B. Reparatur von Haushaltsgeräten oder Unterhaltungselektronik).
  • Montage von Möbeln
  • Arbeiten an Innen- und Außenwänden
  • Arbeiten an Dach und Fassaden
  • Maßnahmen der Gartengestaltung (Hinweis: Die Gartenpflege fällt unter den Begriff der haushaltsnahen Dienstleistung und begründet eine separate Steuerermäßigung, die neben der Steuerermäßigung für Handwerkerleistungen geltend gemacht werden kann).

Die wohl wichtigste Änderung der Verwaltungsauffassung ergibt sich aus dem Umstand, dass nach neuer Sichtweise nun auch Maßnahmen begünstigt werden, die zu einer Erweiterung der Wohn- und Nutzfläche eines Gebäudes führen und insoweit im Sprachgebrauch eigentlich „Neubaumaßnahmen“ darstellen. Voraussetzung der Begünstigung ist, dass diese Maßnahmen in einem vorhandenen Haushalt ausgeführt werden.

Nach der bisherigen Auffassung der Finanzverwaltung waren solche Maßnahmen von der Steuerermäßigung für Handwerkerleistungen ausgeschlossen. Unter der neuen Sichtweise werden „Neubaumaßnahmen“ jedoch nun als „Maßnahmen, die im Zusammenhang mit der Errichtung eines Haushalts bis zu dessen Fertigstellung anfallen“ definiert.

Maßnahmen, die zwar neue Wohn- oder Nutzflächen schaffen (und damit als Herstellungskosten bisher nicht begünstigt waren), aber in einem vorhandenen, also bereits bestehenden Haushalt ausgeführt werden, fallen jetzt unter die Begünstigung. Nach neuer Verwaltungsauffassung kommt es für die steuerliche Begünstigung einer Maßnahme auf das Tatbestandsmerkmal „im Haushalt“ an. Somit sind Handwerkerleistungen nun begünstigt, wenn sie im Bereich eines vorhandenen Haushalts erbracht werden, auch wenn sie zur Schaffung von neuen Wohn- oder Nutzflächen führen. Typische Beispiele sind:

  • der Ausbau des Dachgeschosses im selbst bewohnten Einfamilienhaus
  • der Anbau eines Wintergartens
  • der Bau einer Garage oder eines Carports

Der Ausbau bzw. Bau schafft neue Wohn- und Nutzflächen im Bereich des bereits bewohnten Hauses, also in einem bereits vorhandenen Haushalt.

Anders stellt sich die Lage dar, wenn die Bewohner einer Mietwohnung ein Haus neu errichten lassen, in das sie nach Fertigstellung umziehen. Mit dem Bau des Hauses wird ein neuer Haushalt errichtet. Die in den Kosten des Hausbaus enthaltenen Arbeits-, Maschinen- und Fahrtkosten sind deshalb nicht durch die Steuerermäßigung für Handwerkerleistungen begünstigt.

Dennoch begründet das Abstellen auf das Merkmal eines vorhandenen Haushalts eine erhebliche Ausweitung der begünstigten Handwerkerleistungen.

Mit dem Schreiben vom 10.01.2014 werden auch Zweifelsfragen zur Inanspruchnahme des Höchstbetrags der Steuerermäßigung für Handwerkerleistungen von 1.200 EUR klargestellt. Der Höchstbetrag kann nur haushaltsbezogen in Anspruch genommen werden.

Wenn zwei Alleinstehende während des ganzen Jahres in einem gemeinsamen Haushalt leben, können sie in ihren persönlichen Einkommensteuererklärungen nicht jeweils Aufwendungen bis zum Abzugshöchstbetrag von 1.200 EUR geltend machen. Da sie gemeinsam in einem Haushalt leben, werden die jeweils getragenen Aufwendungen grundsätzlich nur bis zur Höhe des halben Abzugshöchstbetrags berücksichtigt. Eine andere Aufteilung des Höchstbetrags kann von den beiden Steuerpflichtigen beantragt werden.

Etwas anders stellt sich die Situation bei einer unterjährigen Begründung oder Beendigung eines gemeinsamen Haushaltes zweier Alleinstehender dar. In diesem Fall kann jeder der Steuerpflichtigen den vollen Abzugshöchstbetrag bei seiner persönlichen Veranlagung geltend machen. Es kommt dabei nicht darauf an, ob die Aufwendungen im gemeinsamen oder im alleinigen Haushalt angefallen sind. Für den Erhalt des Abzugshöchstbetrags für jede Person reicht es , dass die jeweilige Person für einen Teil des Jahres einen alleinigen Haushalt unterhalten hat.

Wird unmittelbar nach Auflösung eines gemeinsamen Haushalts ein neuer gemeinsamer Haushalt miteiner anderen Person begründet, kann der Steuerpflichtige, der durchgehend in gemeinsamen Haushalten gelebt hat, die tatsächlich getragenen Aufwendungen nur maximal mit dem halben Abzugshöchstbetrag bis 600 EUR geltend machen. Sofern die andere Person vor Begründung des gemeinsamen Haushalts für einen Teil des Jahres einen alleinigen Haushalt unterhalten hat, kann diese Person den vollen Höchstbetrag mit 1.200 EUR in Anspruch nehmen.

Für einen korrekten Abzug der Steuerermäßigung für Handwerkerleistungen muss daher die Haushaltskonstellation genau geprüft werden.

Hinweis:
Die geänderte Verwaltungsauffassung ist in allen noch offenen Fällen ab dem Veranlagungszeitraum 2006 anzuwenden.

Die in der Praxis wohl am häufigsten vorkommende Handwerkerleistung ist die Rechnung desSchornsteinfegers. Hier kommt es zu Änderungen, die den Ansatz dieser Rechnung deutlich komplizierter machen.

Bisher wurden die Rechnungen des Schornsteinfegers von den Finanzämtern einheitlich als begünstigte Handwerkerleistung anerkannt. Das BMF-Schreiben vom 10.01.2014 stellt jedoch klar, dass Gutachtertätigkeiten nicht unter die Steuerermäßigung für Handwerkerleistungen fallen und auch keine begünstigten haushaltsnahen Dienstleistungen darstellen. Das hat zur Folge, dass die von einem Schornsteinfeger ausgeführten Mess- und Überprüfungsarbeiten sowie die Feuerstättenschau und andere technische Prüfdienste von der Finanzverwaltung nicht mehr als begünstigte Maßnahmen anerkannt werden.

Die Schornsteinfegerleistungen müssen deshalb in Schornstein-Kehrarbeiten sowie Wartungs- und Reparaturarbeiten (begünstigt) und Mess- oder Überprüfungsarbeiten sowie Feuerstättenschau (nicht begünstigt) aufgeteilt werden.

Für die Umsetzung dieser Verschärfung gewährt das BMF aus Vereinfachungsgründen eine Übergangsfrist bis zum 31.12.2013. In der Einkommensteuererklärung für das Jahr 2013 können somit Schornsteinfegerrechnungen noch einheitlich als begünstigte Leistung angesetzt werden.

Ab dem Veranlagungszeitraum 2014 werden die begünstigten Leistungen eines Schornsteinfegers steuerlich nur noch anerkannt, wenn sie in der Rechnung gesondert ausgewiesen sind. Der Schornsteinfeger muss in der Rechnung deshalb eine Aufteilung der Arbeitskosten für begünstigte und nicht begünstigte Tätigkeiten vornehmen.

Da die Schornsteinfegerrechnungen im Allgemeinen relativ niedrig sind, fragt man sich nach dem Sinn einer solchen Verschärfung der Regelung.

(Rechtsgrundlagen: BFH-Urteil vom 13.07.2011 – VI R 61/10, BMF-Schreiben vom 10.01.2014, Bundessteuerblatt 2014 I S. 75, § 35a Abs. 3 EStG)

Veröffentlicht im Juni 2014