Verlagerung von Mieteinkünften auf studierende Kinder – eine praktische Gestaltung

Zurechnung von Mieteinkünften – Verlagerung durch schlichte Umstellung der Mietverträge – Verlagerung auf studierende Kinder ohne Schenkungsteuer

Mit dem Wegfall der Einkommensgrenze für volljährige Kinder in Ausbildung seit dem Jahr 2012 bietet sich die Verlagerung von Mieteinkünften auf die studierenden Kinder als Möglichkeit einer praktischen Steuergestaltung an.

Trotz eigener Einkünfte des Kindes behalten die Eltern dabei den Kinderfreibetrag und den Ausbildungsfreibetrag bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres des studierenden Kindes. Durch die Verlagerung der Mieteinkünfte auf das Kind werden diese Einkünfte der hohen Besteuerung bei den Eltern entzogen. Dem Kind fließen durch die Mieteinkünfte regelmäßige Einkünfte zu, über die es während seines Studiums verfügen kann.

Handelt es sich dabei um ein Erststudium, für dessen Aufwendungen der Gesetzgeber keinen Werbungskostenabzug zulässt, kann das studierende Kind die Aufwendungen für das Erststudium bis zu einem Betrag von 6.000 EUR als Sonderausgaben von seinen Einkünften abziehen. Den meisten anderen Studenten bringt dieser Sonderausgabenabzug gar nichts, da sie während des Studiums keine oder nur geringe Einkünfte erzielen, von denen der Sonderausgabenabzug vorgenommen werden könnte. Zum Thema Kosten des Erststudiums verweisen wir auf unseren im Juli 2012 veröffentlichten Artikel, den wir weiter unten archiviert haben.

Mieteinkünfte werden dem Steuerpflichtigen zugerechnet, der als Vermieter gegenüber dem Mieter auftritt, also den Mietvertrag mit dem Mieter schließt. Die Mieteinkünfte können durch eine schlichte Umstellung des Mietvertrags von den Eltern auf das studierende Kind verlagert werden, z. B. für die Dauer des Studiums. Die Umstellung des Mietvertrags, und damit der Vermieterwechsel, muss dem Mieter angezeigt werden, denn der Mieter muss als Vertragspartner dem Vermieterwechsel zumindest stillschweigend zustimmen. Um den Vermieterwechsel zu dokumentieren, sollte der Mieter außerdem die Mietzahlungen auf das Konto des Kindes überweisen. Nach der Umstellung werden die Mieteinkünfte dem studierenden Kind zugerechnet. Der Mietvertrag kann nach dem Abschluss des Studiums wieder auf die Eltern umgestellt werden, so dass die Mieteinkünfte dann wieder von den Eltern zu versteuern sind.

Der ansonsten praktischen Steuergestaltung haften jedoch auch einige Nachteile an:

Das Kind kann nach der Umstellung des Mietvertrags die Gebäudeabschreibung für das vermietete Objekt und anfallende Schuldzinsen für ein Darlehen, das zur Finanzierung des Erwerbs des Objekts aufgenommen wurde, nicht von seinen Mieteinnahmen abziehen. Diese Aufwendungen könnten nur die Eltern geltend machen, die nach wie vor bürgerlich-rechtliche Eigentümer des betreffenden Objekts sind. Durch den Mietverzicht der Eltern zugunsten des studierenden Kindes gehen somit die Gebäudeabschreibung und der Schuldzinsenabzug für die Jahre verloren, in denen das Kind die Mieteinnahmen erhält. Mit der Umstellung des Mietvertrags werden nur die Mieteinkünfte auf das Kind verlagert, nicht aber das Eigentum an dem Vermietungsobjekt.

Die Verlagerung von Mieteinkünften auf studierende Kinder bietet sich deshalb vor allem bei Mietobjekten an, die abgeschrieben, schuldenfrei und nicht durch anstehenden Reparaturaufwand belastet sind.

Zu berücksichtigen ist auch, dass durch die eigenen (Miet-)Einkünfte des Kindes ein Anspruch auf BAföG und die Mitversicherung in der Krankenversicherung der Eltern gefährdet sein kann.

Positiv ist anzumerken, dass bei der Verlagerung der Mieteinkünfte auf studierende Kinder keine Schenkungsteuer anfällt. Der Mietverzicht der Eltern zugunsten eines studierenden Kindes unterliegt nicht der Schenkungsteuer, da die Eltern mit der Verlagerung der Mieteinkünfte auf das Kind einen Beitrag zur Erfüllung ihrer Unterhaltspflicht leisten. Wer seiner Unterhaltspflicht nachkommt, hat keinen Bereicherungswillen.

Hinweis:

Auch mit einer Verlagerung von Mieteinkünften auf Kinder in Not, für die kein Anspruch auf Kindergeld oder den Kinderfreibetrag mehr besteht (z. B. wegen Arbeitslosigkeit oder schwerer Krankheit des Kindes) oder auf Eltern in Not (z. B. bei Unterbringung in einem Pflegeheim ohne ausreichende Altersversorgung der Eltern) kommen Eltern bzw. Kinder lediglich ihrer Unterhaltspflicht nach. Ein Bereicherungswille besteht nicht, so dass auch diese steuerliche Gestaltung schenkungsteuerfrei möglich ist.

(Rechtsgrundlagen: §§ 21 Einkommensteuergesetz (EStG), § 7 Abs. 4 und 5 EStG, §10 Abs. 1 Nr. 7 EStG)

Veröffentlicht im März 2014