Private Steuerberatungskosten sind nicht abziehbar

Finanzverwaltung weist Einsprüche mit Allgemeinverfügung endgültig zurück – Zuordnung gemischter Steuerberatungskosten auf Einkunftserzielung und Privatbereich

Seit dem Veranlagungsjahr 2006 sind Steuerberatungskosten, die den privaten Bereich der Steuerpflichtigen betreffen, im Rahmen der Einkommensteuererklärung nicht mehr als Sonderausgaben abziehbar.

Betroffen sind Beratungskosten, die insbesondere für:

  • das Ausfüllen des Mantelbogens zur Einkommensteuererklärung
  • die Ermittlung der Vorsorgeaufwendungen (Versicherungs- und Altersvorsorgebeiträge)
  • den Ansatz von Spenden und Beiträgen
  • die Ermittlung der außergewöhnlichen Belastungen (z. B. Krankheitskosten, Unterhaltsleistungen)
  • die Erlangung der Steuerermäßigung für Handwerkerleistungen
  • die Erstellung der Anlage Kind zur Einkommensteuererklärung

anfallen.

Damit können Steuerpflichtige gerade die Beratungskosten nicht mehr abziehen, die für in vielen Fällen relativ zeitaufwändige und umfangreiche Arbeiten des steuerlichen Beraters anfallen (z. B. bei der Ermittlung von begünstigten Arbeits- und Fahrtkosten aus Handwerkerrechnungen zur Erlangung der Steuerermäßigung für Handwerkerleistungen oder dem Ansatz von Kinderbetreuungskosten und Unterhaltsleistungen).

Abziehbar sind Steuerberatungskosten nur noch, wenn sie im Zusammenhang mit einer Einkunftsart stehen:

  • für die Ermittlung von Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit, aus einer selbständigen Tätigkeit und aus einem Gewerbebetrieb, aus Vermietung und Verpachtung und Renteneinkünften
  • für Beratungsleistungen zum Ansatz von Werbungskosten und Betriebsausgaben
  • für Beratungen zu betrieblichen Steuern (Umsatzsteuer, Gewerbesteuer, Körperschaftsteuer)
  • für die Erstellung von Einnahme-Überschuss-Rechnungen und Jahresabschlüssen mit den dabei anfallenden Steuererklärungen
  • für Rechtsbehelfe, die mit der Erzielung von Einkünften im Zusammenhang stehen.

Somit sind Steuerberatungskosten nur noch als Werbungskosten oder Betriebsausgabenim Rahmen der Einkunftserzielung abziehbar.

Hinweis:

Seit Einführung des Systems der Abgeltungsteuer im Jahr 2009 sind auch die für die Ermittlung der Einkünfte aus Kapitalvermögen anfallenden Steuerberatungskosten grundsätzlich nicht mehr abziehbar.

Gegen die Nichtabziehbarkeit von Steuerberatungskosten als Sonderausgaben haben viele Steuerpflichtige seit dem Veranlagungsjahr 2006 Einspruch erhoben und verfassungsrechtliche Zweifel hinsichtlich der Nichtabziehbarkeit von privaten Steuerberatungskosten geäußert.

Um die Flut von Einspruchsverfahren einzudämmen, haben die Finanzämter nach einiger Zeit die Einkommensteuerbescheide in den Erläuterungen mit einem Vermerk versehen, durch den die Einkommensteuerfestsetzung hinsichtlich der Nichtabziehbarkeit von Steuerberatungskosten als Sonderausgaben für vorläufig erklärt wurde (sog. Vorläufigkeitsvermerk).

Durch den Vorläufigkeitsvermerk blieben die Einkommensteuerfestsetzungen bis zu einer endgültigen Entscheidung der Gerichte in dieser Frage offen, Einsprüche waren deswegen nicht mehr erforderlich.

In mehreren Urteilen hatte der Bundesfinanzhof (BFH) in den Jahren 2010, 2011 und 2012 entschieden, dass die Nichtabziehbarkeit von Steuerberatungskosten als Sonderausgaben nicht gegen die Verfassung verstoße.

Die Finanzverwaltung hat diese Urteile jetzt zum Anlass genommen, die in dieser Sache anhängigen Einsprüche und Anträge endgültig zurückzuweisen und dabei auf das für sie so praktische Mittel der Allgemeinverfügung zurück gegriffen.

Mit der Allgemeinverfügung vom 25.03.2013 und der Bekanntgabe im Bundessteuerblatt haben die obersten Finanzbehörden der Länder auf einen Schlag über alle in der Streitfrage anhängigen Verfahren entschieden und damit den Erlass von zahlreichen Einspruchsentscheidungen beim Abschluss des Masseneinspruchsverfahrens zur Nichtabziehbarkeit von privaten Steuerberatungskosten vermieden.

Nach dieser Verfügung wurde inzwischen auch der entsprechende Vorläufigkeitsvermerk aus den Erläuterungen zu den Einkommensteuerbescheiden gestrichen.

Da Steuerberatungskosten somit nur noch als Werbungskosten oder Betriebsausgaben im Zusammenhang mit einer Einkunftsart abziehbar sind, müssen die einzelnen Honorarpositionen der Steuerberaterrechnung dem Werbungskosten- bzw. Betriebsausgabenbereich und dem Privatbereich zugeordnet werden.

Bei der Beratung durch einen Lohnsteuerhilfeverein, beim Kauf von Steuersoftware oder bei der Anschaffung von Steuerfachliteratur lässt die Finanzverwaltung zwei Vereinfachungsregeln bei der Zuordnung der Aufwendungen für gemischte Steuerberatungskosten (= private und nicht privat veranlasste Steuerberatungskosten) zu:

  • Bei Einheitsrechnungen können pauschal 50% der gemischten Steuerberatungskosten als Werbungskosten oder Betriebsausgaben abgezogen werden.
  • Gemischte Kosten bis 100 EUR können ohne Begründung als Werbungskosten oder Betriebsausgaben geltend gemacht werden.

Beispiele:

Ein Arbeitnehmer zahlt einen Jahresbeitrag an einen Lohnsteuerhilfeverein von 240 EUR. Er kann 50% = 120 EUR als Werbungskosten bei den Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit ansetzen. Die anderen 50% sind steuerlich nicht zu verwerten.

Ein anderer Arbeitnehmer zahlt einen Beitrag von 140 EUR an den Lohnsteuerhilfeverein. Davon kann er 100 EUR den Werbungskosten zuordnen. Die restlichen 40 EUR bleiben unberücksichtigt.

Die sog. 100-Euro-Vereinfachungsregel ist veranlagungsbezogen, nicht personenbezogen. Zusammenveranlagte Ehegatten können also nicht zwei Rechnungen über jeweils 100 EUR = 200 EUR, sondern insgesamt nur maximal 100 EUR als Werbungskosten abziehen (1 Veranlagung = 1 Mal Vereinfachungsregel).

Bei einer getrennten Veranlagung könnte jeder Ehegatte eine auf seinen Namen ausgestellte Rechnung ansetzen. Es könnten also zweimal 100 EUR als Werbungskosten angesetzt werden (Getrennte Veranlagung = 2 Veranlagungen = 2 Mal Vereinfachungsregel).

(Rechtsgrundlagen: BFH-Urteile vom 04.02.2010, X R 10/08, vom 16.02.2011, X R 10/10 und vom 17.10.2012, VIII R 51/09, Allgemeinverfügung der obersten Finanzbehörden der Länder vom 25.03.2013, Az. 2013/0214448, Bundessteuerblatt 2013 Teil I, S. 348)

Veröffentlicht im Juni 2013