Handwerkerleistungen – Gerichte lassen erweiterten Kostenansatz zu

Finanzrichter konkretisieren den Ansatz von Handwerkerleistungen – Auch Handwerkerleistungen in Zweit-, Wochenend- und Ferienwohnungen sind begünstigt

Aufwendungen für Handwerkerleistungen entstehen jedem Mieter und Hauseigentümer (z. B. Renovierungsaufwand, Kosten für Schornsteinfeger, Heizungswartung oder Gartengestaltung).

Seit 2006 gibt es für handwerkliche Leistungen eine eigenständige Steuerermäßigung, deren Höchstbetrag von zunächst 600 EUR ab dem Veranlagungsjahr 2009 auf 1.200 EUR verdoppelt wurde (§ 35a Abs. 3 des Einkommensteuergesetzes).

Diese Steuerermäßigung vermindert direkt die Einkommensteuerschuld. Sie umfasst alle handwerklichen Tätigkeiten für Renovierungs-, Erhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen, die in einem inländischen Haushalt eines Steuerpflichtigen oder einem Haushalt, der innerhalb der Europäischen Union (EU) oder des Europäischen Währungsraumes (EWR) liegt, erbracht werden.

Nicht begünstigt sind öffentlich geförderte Leistungen, für die zinsreduzierte Darlehen oder steuerfreie Zuschüsse (z. B. für Gebäudesanierungsprogramme) in Anspruch genommen werden.

Der Ansatz von Handwerkerleistungen in der Einkommensteuererklärung führt immer wieder zu Streitigkeiten mit der Finanzverwaltung.

In mehreren Urteilen haben der Bundesfinanzhof und verschiedene Finanzgerichte konkretisiert, welche Aufwendungen zu den von der Steuerermäßigung erfassten Handwerkerleistungen gehören.

Die Steuerermäßigung für in Rechnung gestellte Handwerkerleistungen ermittelt sich mit 20 Prozent von maximal 6.000 EUR, also mit einem Höchstbetrag von 1.200 EUR.

Dabei sind nur die in der Handwerkerrechnung ausgewiesenen Arbeits-, Maschinen- und Fahrtkosten begünstigt, nicht jedoch die in Rechnung gestellten Materialkosten.

Die Aufwendungen müssen durch die Rechnung belegt werden und die Rechnung darf nicht bar an den Handwerker gezahlt werden. Deshalb sollte die unbare Zahlung durch den Kontoauszug, in dem die Überweisung des Rechnungsbetrags an den Handwerksbetrieb dokumentiert ist, nachgewiesen werden.

Strittig war immer wieder, inwieweit Neubaumaßnahmen als begünstigte Handwerkerleistungen geltend gemacht werden können.

Die Finanzrichter haben in ihren Entscheidungen deutlich gemacht, dass Neubaumaßnahmen, mit denen ein Haushalt (neu) begründet wird, keine begünstigten Handwerkerleistungen darstellen.

Voraussetzung für den Abzug als begünstigte Handwerkerleistung ist immer ein bereits vorhandener Haushalt.

Einhelligkeit besteht bei den Gerichten auch in der Auffassung, dass Neubaumaßnahmen, die zu einer Vergrößerung der Wohnfläche führen, keine von der Steuerermäßigung begünstigten Handwerkerleistungen darstellen (z. B. Dachgeschossausbau, Neubau eines Wintergartens).

Anders sieht es jedoch aus, wenn etwas Neues eingebaut oder errichtet wird, das keine Vergrößerung der Wohnfläche zur Folge hat.

So wurde der Einbau eines neuen Kachelofens in ein gasbeheiztes Einfamilienhaus vom Sächsischen Finanzgericht als begünstige Handwerkerleistung anerkannt. Zuvor hatte bereits der Bundesfinanzhof die Neuerrichtung einer Stützmauer und die Neuanlage eines Gartens einschließlich der Erd- und Pflanzarbeiten den begünstigten Handwerkerleistungen zugeordnet. In beiden Fällen kam es zu keiner Wohnflächenvergrößerung.

Der Anwendungsbereich der Regelung des § 35a Abs. 3 Einkommensteuergesetz (EStG) wurde durch diese Gerichtsentscheidungen gegenüber der ursprünglichen engen Auslegung deutlich erweitert.

Der Höchstbetrag von 1.200 EUR ist ein haushaltsbezogener Betrag, der für einen Haushalt nur einmal gewährt wird. Bei Ehegatten verdoppelt sich der Betrag nicht und auch Wohngemeinschaften können den Höchstbetrag nur einmal für die gesamte Wohngemeinschaft (also nicht für jedes Mitglied der Gemeinschaft) geltend machen.

Auch eine Zweit-, Wochenend- oder Ferienwohnung, die vom Steuerpflichtigen selbst genutzt wird, gehört grundsätzlich zum Haushalt des Steuerpflichtigen.

Somit fallen Handwerkerleistungen, die in diesen Wohnungen ausgeführt werden, ebenfalls unter die Steuerermäßigung nach § 35a Abs. 3 EStG.

Der Höchstbetrag von 1.200 EUR erhöht sich dabei jedoch nicht, da weitere selbst genutzte Wohnungen zu dem einen Haushalt des Steuerpflichtigen gehören und keinen weiteren Haushalt begründen.

(Rechtsgrundlagen: § 35a Abs. 3 EStG, BFH-Urteil vom 13.07.2011, VI R 61/10, Finanzgericht Rheinland-Pfalz, Urteil vom 18.10.2012, 4 K 1933/12, Sächsisches Finanzgericht, Urteil vom 23.03.2012, 3 K 1388/10, Schleswig-Holsteinisches Finanzgericht, Urteil vom 02.02.2011, 2 K 56/10)

Veröffentlicht im Mai 2013