Einkommensteuererklärung 2012 – Darauf sollten Sie achten

Kinderbezogene Vergünstigungen – Wegfall der Einkunftsgrenze für Kinder ab 18 Jahre
Aufwendungen für das Erststudium – Sonderausgaben oder Werbungskosten?

Es ist mal wieder soweit. Die Einkommensteuererklärung für das Jahr 2012 steht an und wieder einmal hat der Gesetzgeber zahlreiche Steueränderungen gegenüber dem Vorjahr eingeführt, die nun in der Steuererklärung 2012 zu berücksichtigen sind.

Einige dieser Änderungen wollen wir in diesem Artikel darstellen.

Kinderbetreuungskosten

Bislang wurde bei der Berücksichtigung von Kinderbetreuungskosten zwischen erwerbsbedingten und nicht erwerbsbedingten Aufwendungen für die Kinderbetreuung unterschieden.

Die Betreuungsaufwendungen waren dann in der Einkommensteuererklärung entweder wie Werbungskosten bzw. Betriebsausgaben (bei Erwerbstätigkeit der Eltern) oder als Sonderausgaben (wenn nicht beide Eltern erwerbstätig waren) anzusetzen.

Diese in der Praxis oft komplizierte Regelung fällt nun weg.

Ab dem Veranlagungsjahr 2012 dürfen Kinderbetreuungskosten unabhängig von der Tätigkeit der Eltern bis zur Vollendung des 14. Lebensjahres mit einem Höchstbetrag von 2/3 der Betreuungsaufwendungen, maximal 4.000 EUR pro Jahr und Kind, einheitlich als Sonderausgaben abgezogen werden.

Einen Abzug „wie Werbungskosten oder Betriebsausgaben“ gibt es nicht mehr.

Der Höchstbetrag von 4.000 EUR für jedes Kind ist ein Jahresbetrag, der nicht gezwölftelt wird.

Auch im Jahr der Geburt und im Jahr der Vollendung des 14. Lebensjahres können Kinderbetreuungskosten bis zum Höchstbetrag berücksichtigt werden.

Kindergeld und Kinderfreibetrag – Wegfall der Einkunftsgrenze für Kinder ab 18 Jahre

Bis 2011 hatten Eltern Anspruch auf Kindergeld und den Kinderfreibetrag für volljährige Kinder in Ausbildung (Schule, Studium, Ausbildung für den künftigen Beruf), die das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet hatten, wenn die eigenen Einkünfte und Bezüge des Kindes, die zur Bestreitung des Lebensunterhalts oder der Berufsausbildung bestimmt waren, die Grenze von 8.004 EUR im Jahr nicht überstiegen.

Wurde diese Grenze auch nur um einen Euro überschritten, entfiel der Anspruch auf Kindergeld und den Kinderfreibetrag.

Sowohl beim Kindergeldantrag als auch bei der Einkommensteuererklärung mussten bislang die eigenen Einkünfte und Bezüge des Kindes detailliert ermittelt und dargelegt werden.

Ab dem Jahr 2012 werden das Kindergeld und der Kinderfreibetrag unabhängig vom Einkommen des Kindes bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres gewährt.

Bei volljährigen Kindern in Schul- oder Berufsausbildung, die nebenbei regelmäßig weniger als 20 Stunden wöchentlich jobben, verzichten die Familienkasse und das Finanzamt bei der Gewährung von Kindergeld oder der steuerlichen Berücksichtigung der Kinder auf eine Einkommensprüfung.

Auch Eltern solcher Kinder, die bereits während ihrer Ausbildung Einkünfte aus Kapitalvermögen oder Vermietung und Verpachtung von mehr als 8.004 EUR erzielen, haben ab 2012 durch den Wegfall der Einkommensprüfung für Kinder bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres (wieder) Anspruch auf Kindergeld und den Kinderfreibetrag.

Übertragung des Kinderfreibetrags

Bisher erhielten geschiedene und dauernd getrennt lebende Eltern den Kinderfreibetrag von 8.004 EUR jeweils hälftig mit 4.002 EUR.

Der Elternteil, der das Kind allein unterhalten hatte, erhielt auf Antrag den vollen Kinderfreibetrag, wenn der andere Elternteil seine Unterhaltsverpflichtung nicht zu mindestens 75% erfüllt hatte.

Die Übertragung des halben Kinderfreibetrags auf den das Kind alleine unterhaltenden Elternteil entfiel bisher, wenn der andere Elternteil aufgrund fehlender Leistungsfähigkeit (z. B. als Hartz IV-Empfänger) gegenüber seinem Kind nicht unterhaltspflichtig war.

Ab 2012 kann der das Kind allein unterhaltende Elternteil den vollen Kinderfreibetrag beantragen, auch wenn der andere Elternteil aufgrund seiner Situation nicht unterhaltspflichtig ist.

Ausbildungsfreibetrag

Den Ausbildungsfreibetrag mit 924 EUR erhalten Eltern für Kinder ab 18 Jahre, die in Schul- oder Berufsausbildung stehen oder studieren und auswärts, das heißt außerhalb des elterlichen Haushalts, untergebracht sind.

Bis 2011 wurde der Ausbildungsfreibetrag um eigene Einkünfte und steuerfreie Bezüge des Kindes über 1.848 EUR (z. B. BAföG) gekürzt.

Mit dem Wegfall der Einkunftsgrenze für Kinder ab 18 Jahre ab 2012 sind eigene Einkünfte und Bezüge des Kindes über 1.848 EUR unschädlich.

Die Eltern erhalten somit den vollen Ausbildungsfreibetrag.

Aufwendungen für ein Erststudium

Seit mehr als zehn Jahren streiten Steuerpflichtige und der Bundesfinanzhof mit dem Gesetzgeber um den Abzug der Kosten für ein Erststudium als vorweggenommene Werbungskosten zu den Einnahmen aus einer zukünftigen Berufstätigkeit, die mit dem Studium angestrebt wird.

Durch den Ansatz der Aufwendungen für das Studium (z. B. Aufwendungen für Fahrten zwischen Wohnung und Studienort, für Fachliteratur, Arbeitsmittel und Studiengebühren) in einer Einkommensteuererklärung hätten Studenten die Möglichkeit, Verlustvorträge anzusammeln, um diese mit späteren Einnahmen zu verrechnen.

Auf diese Weise würde sich die Steuerlast in den ersten Berufsjahren verringern.

Diese Steuervorteile hat die Regierung jedoch immer wieder durch eine entsprechende Gesetzgebung verhindert.

Bis 2011 ließ das Einkommensteuergesetz für die Kosten eines Erststudiums (wenn es nicht im Rahmen eines Dienstverhältnisses erfolgt) lediglich einen Sonderausgabenabzug bis 4.000 EUR zu.

Ab dem Jahr 2012 kann dieser Sonderausgabenabzug mit bis zu 6.000 EUR geltend gemacht werden.

Für die meisten Studenten bringt dieser Abzug jedoch gar nichts, da sie während ihres Studiums keine oder nur geringe Einkünfte erzielen, von denen der Sonderausgabenabzug vorgenommen werden könnte.

Studenten sollten weiterhin die Kosten des Erststudiums als Werbungskosten zu späteren Einkünften in einer Einkommensteuererklärung geltend machen und die Feststellung der dabei anfallenden Verluste beantragen.

Das Finanzamt ist an die bestehenden gesetzlichen Vorgaben gebunden und wird daher die Berücksichtigung dieser Kosten als Werbungskosten ablehnen.

Dagegen sollte mit Verweis auf das beim Bundesfinanzhof anhängige Revisionsverfahren VI R 8/12 Einspruch erhoben und ein Ruhen des Verfahrens bis zu einer Entscheidung in dieser Sache beantragt werden.

Veröffentlicht im März 2013