Im Visier der Finanzverwaltung - Keine Schonzeit mehr für Rentner

Auswertung der Rentenbezugsmitteilungen läuft - Steuernachzahlungen drohen

Mit Beginn des Jahres 2005 hat sich die Besteuerung der Renten grundlegend geändert. Die rechtliche Grundlage dieser Änderung bildet das Alterseinkünftegesetz. Danach unterliegt - abhängig vom Jahr des Rentenbeginns - ein immer höherer Anteil der Rente der Besteuerung.
Steuerzahler, die im Jahr 2040 in Rente gehen, müssen ihre Alterseinkünfte zu 100 Prozent versteuern. Wer im Jahr 2012 seinen Ruhestand antritt ist mit 64 Prozent seiner Rente steuerpflichtig.

Für Ruheständler, die bereits vor dem Jahr 2005 eine Rente bezogen haben, brachte die Änderung der Rentenbesteuerung ab 2005 eine deutliche Erhöhung des steuerpflichtigen Anteils der Rente von den niedrigeren Ertragsanteilen zu einem Besteuerungsanteil von 50 Prozent mit sich.
Bei vielen Rentnern führt die Besteuerung nach dem Alterseinkünftegesetz dazu, dass sie unter Umständen bereits durch ihre Renteneinkünfte, aber auch zusammen mit anderen Einkünften, z. B. aus Pensionen, Kapitaleinkünften oder auch Vermietung, den Grundfreibetrag von 7.664 EUR für Alleinstehende/15.328 EUR für Verheiratete für die Jahre 2005 bis 2008, 7.834 EUR/15.668 EUR im Veranlagungszeitraum 2009 und 8.004 EUR/16.008 EUR in den Jahren 2010 bis 2012 überschreiten und damit steuerpflichtig werden.

Bis zum Ende des Jahres 2008 wurde jedem Bürger eine persönliche Steuer-Identifikationsnummer zugeteilt. Damit waren die Voraussetzungen für die personenbezogene Zuordnung von Rentendaten und damit für den Start des sog. Rentenbezugsmitteilungsverfahrens geschaffen.
Seit Ende des Jahres 2009 erhalten die Finanzämter von den Trägern der gesetzlichen Rentenversicherung, der landwirtschaftlichen Alterskassen, der berufsständischen Versorgungseinrichtungen, den Pensionskassen und Pensionsfonds sowie den Anbietern privater Rentenversicherungsverträge (Riester- und Rürup-Renten) Kontrollmitteilungen (Rentenbezugsmitteilungen) über alle seit dem Jahr 2005 ausgezahlten Renten, Pensionen und Versicherungsleistungen.

Die Finanzämter werten die Rentenbezugsmitteilungen inzwischen eifrig aus und stellen auf diesem Wege fest, ob eine Pflicht zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung - unter Umständen rückwirkend bis ins Jahr 2005 - besteht.
Damit geraten viele Ruheständler ins Visier der Finanzverwaltung und werden demnächst (oder haben bereits schon) Post vom Finanzamt erhalten und zur Nachreichung von Steuererklärungen ab dem Jahr 2005 aufgefordert.
Dabei kann es zu erheblichen Steuernachforderungen kommen, auf die auch noch Nachzahlungszinsen vom Finanzamt erhoben werden.

Panik ist deshalb aber nicht angesagt.
In vielen Fällen wird es letztlich zu keinen oder nur geringen Nachzahlungen kommen, da die Ruheständler in ihrer Steuererklärung zahlreiche abzugsfähige Beträge geltend machen können.
So mindern z. B. Behindertenpauschbeträge, Versicherungsbeiträge, Spenden, Krankheitskosten und Aufwendungen für haushaltsnahe Dienst- und Handwerkerleistungen das zu versteuernde Einkommen und die Steuerschuld.

(Rechtsgrundlage: § 22a Einkommensteuergesetz)

Veröffentlicht im August 2012