Einkommensteuervorauszahlungen trotz Lohnsteuereinbehalt

Geänderte Abzugsfähigkeit von Krankenkassenbeiträgen kann Vorauszahlungen begründen - Herabsetzung von Vorauszahlungen

Viele Steuerpflichtige erhalten in diesen Tagen ihren Einkommensteuerbescheid für 2010.
Dabei werden sich einige Steuerzahler darüber wundern, dass neben der Steuer für 2010 nun auch erstmals vierteljährliche Vorauszahlungen für künftige Veranlagungszeiträume festgesetzt werden.

Einkommensteuervorauszahlungen kennen viele Steuerpflichtige eigentlich nur von Unternehmern und Selbständigen, die nicht dem Lohnsteuerabzug unterliegen.
Betroffen können nunmehr auch Arbeitnehmer-Ehepaare mit der Lohnsteuerklassenkombination III/V sein, aber auch Geringverdiener in der Steuerklasse V und VI.

Ursache für dieses Phänomen ist die durch das Bürgerentlastungsgesetz Krankenversicherung geregelte verbesserte steuerliche Berücksichtigung von Beiträgen zur Kranken- und Pflegeversicherung, durch die ab dem Veranlagungsjahr 2010 ein größerer Teil dieser Beiträge im Rahmen der Vorsorgeaufwendungen abgezogen werden kann.
Unter der Rubrik "Das betrifft Sie" haben wir im Oktober 2009 ausführlich darüber berichtet.

Mit der gesetzlichen Änderung müssen die Arbeitgeber im Lohnsteuerabzugsverfahren die sogenannte Vorsorgepauschale für Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung berücksichtigen.

Bei der Veranlagung der Steuererklärung wird jedoch nicht mehr - wie noch bis 2009 - die Pauschale, sondern es werden die tatsächlich gezahlten Beiträge zu diesen Versicherungen berücksichtigt.

Sind die tatsächlichen Beiträge niedriger als die Vorsorgepauschale, hat der Arbeitgeber weniger Lohnsteuer einbehalten und an das Finanzamt abgeführt als zur Deckung der tatsächlichen Einkommensteuerschuld erforderlich sind.
Der Steuerpflichtige muss dann im Veranlagungsverfahren entsprechend Einkommensteuer nachzahlen.
Dabei setzen die Finanzämter in vielen Fällen gleich Vorauszahlungen für künftige Jahre fest.
Eine Herabsetzung dieser Vorauszahlungen ist in begründeten Fällen möglich, wenn z.B.:
  • im Vorauszahlungszeitraum die Steuerklassenkombination III/V überhaupt nicht mehr besteht
  • höhere Werbungskosten vorliegen, als bei der Berechnung der Vorauszahlungen berücksichtigt wurden oder
  • höhere abziehbare Vorsorgeaufwendungen nachgewiesen werden, als bei der Vorauszahlungsberechnung vom Finanzamt angesetzt wurden.

Veröffentlicht im August 2011