Aufwendungen für ein Erststudium nach dem Abitur unbegrenzt abziehbar?

Bundesfinanzhof muss entscheiden - Nachweise über Kosten für das Studium sammeln - Steuererklärungen einreichen

Studenten können wieder hoffen.
Bisher werden Aufwendungen für ein Studium, das direkt nach dem Abitur aufgenommen wird, steuerlich nur begrenzt bis zu einem Höchstbetrag von 4.000 EUR als Sonderausgaben berücksichtigt.
Das hat zur Folge, dass die Kosten für das Studium in den meisten Fällen wirkungslos verpuffen, da die meisten Studenten während des Studiums nur geringe oder gar keine Einnahmen haben.

Nur wer vor Aufnahme des Studiums eine Berufsausbildung abgeschlossen hat oder sein Studium im Rahmen eines Dienstverhältnisses betreibt, kann bislang seine Aufwendungen für das Studium in unbegrenzter Höhe als Werbungskosten von bestehenden Arbeitseinkünften abziehen oder den nach dem Werbungskostenabzug verbleibenden Verlustvortrag feststellen lassen und mit späteren Einnahmen nach dem abgeschlossenen Studium verrechnen.

Der Bundesfinanzhof (BFH) muss nun in zwei anhängigen Verfahren die Frage klären, ob auch Kosten für ein typisches Erststudium, das direkt nach dem Abitur (ohne abgeschlossene Berufsausbildung) aufgenommen wird, unbegrenzt als vorweggenommene Werbungskosten zu künftigen Einnahmen abgezogen werden können.

Betroffene Studenten sollten bereits jetzt Nachweise über Aufwendungen für z. B.:
  • Fachliteratur
  • Studiengebühren
  • Prüfungsgebühren
  • Arbeitsmittel (z. B. der für das Studium genutzte PC)
  • Kosten für Fahrten zwischen Wohnung und Studienort
sammeln.

Auch für Fälle des Erststudiums nach dem Abitur sollten Einkommensteuererklärungen eingereicht und die Aufwendungen für das Studium in voller Höhe als Werbungskosten angesetzt werden.

Für Studenten, die bisher noch keine Einkommensteuererklärung abgegeben haben, gilt eine verlängerte Festsetzungsfrist nach § 170 Abs. 2 Nr. 1 der Abgabenordnung von sieben Jahren.
Somit können rückwirkend bis zum Veranlagungsjahr 2004 noch Steuererklärungen abgegeben werden, da die Festsetzungsverjährung für dieses Veranlagungsjahr erst mit Ablauf des 31.12.2011 eintritt.
Auf diese Weise können Aufwendungen für das Erststudium und daraus resultierende Verluste auch noch für vergangene Jahre geltend gemacht werden.

Das Finanzamt wird diesen Ansatz mit Bezug auf den beschränkten Sonderausgabenabzug ablehnen.
Gegen die Ablehnung sollte Einspruch erhoben und mit Verweis auf die anhängigen BFH-Verfahren Ruhen des Verfahrens bis zu einer Entscheidung der Richter beantragt werden.

(Rechtsgrundlagen: BFH, anhängige Verfahren VI R 15/11 und VI R 7/10)
Veröffentlicht im Mai 2011