Häusliches Arbeitszimmer - Neuregelung gilt rückwirkend ab 2007

Offene Steuerbescheide werden geändert - Festsetzungen werden endgültig - Geänderte Bescheide prüfen

Endlich auch einmal eine gute Nachricht für viele Steuerzahler!
Mit dem Jahressteuergesetz 2010 hat der Gesetzgeber unter anderem einen Beschluss des Bundesverfassungsgerichts zum seit 2007 bestehenden Abzugsverbot für Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer, das nicht den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung bildet, in eine gesetzliche Grundlage umgesetzt.

Wir haben unter der Rubrik "Das betrifft Sie" im August 2010 ausführlich über den Beschluss des Bundesverfassungsgerichts und seine Folgen berichtet.

Steuerpflichtige, denen für ihre betriebliche oder berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht (z. B. Lehrer), können nun wieder - rückwirkend ab dem Jahr 2007 - Aufwendungen für ihr häusliches Arbeitszimmer bis zur Höhe von 1.250 EUR im Jahr abziehen.

Auf Basis der gesetzlichen Neuregelung und einem Schreiben des Bundesfinanzministeriums in dieser Sache arbeiten die Finanzämter nun nach und nach die in diesem Punkt durch Einspruch oder Vorläufigkeitsvermerk offen gehaltenen Einkommensteuerfestsetzungen ab und ändern die betroffenen Steuerbescheide.

Für zahlreiche Steuerpflichtige gibt es danach noch einmal Geld vom Finanzamt.

Mit den Änderungsbescheiden werden die Einkommensteuerfestsetzungen hinsichtlich der Anwendung der Neuregelung für das häusliche Arbeitszimmer endgültig, d. h. sie sind in diesem Punkt nach Ablauf der Rechtsbehelfsfrist (ein Monat nach Bekanntgabe des Bescheides) nicht mehr zu ändern.

Dazu folgender Fall aus der Praxis:
Ein hinsichtlich des häuslichen Arbeitszimmers offener Einkommensteuerbescheid für 2007 wurde wegen der Berücksichtigung von Beteiligungseinkünften im Rahmen der Vermietung und Verpachtung vom Finanzamt geändert.
Im geänderten Bescheid wurde die Festsetzung der Einkommensteuer hinsichtlich des häuslichen Arbeitszimmers für endgültig erklärt. Das Finanzamt hatte jedoch die geltend gemachten Aufwendungen für das häusliche Arbeitszimmer weiterhin überhaupt nicht berücksichtigt.
Es musste deshalb vor Ablauf der Rechtsbehelfsfrist eine nochmalige Änderung des Bescheides unter Berücksichtigung der Aufwendungen für das häusliche Arbeitszimmer beantragt werden.

Ohne diesen Änderungsantrag wären dem betroffenen Steuerpflichtigen fast 500 Euro verloren gegangen.

Deshalb sollten eingehende Änderungsbescheide für Veranlagungsjahre ab 2007 unbedingt darauf hin geprüft werden, ob die geltend gemachten Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer auch tatsächlich vom Finanzamt berücksichtigt wurden.
Es geht um bares Geld!

(Rechtsgrundlagen: Jahressteuergesetz 2010 vom 08.12.2010, BMF-Schreiben vom 02.03.2011, IV C 6 - S 2145/07/1002)
Veröffentlicht im April 2011