Bundesfinanzministerium sorgt für Rechtssicherheit beim häuslichen Arbeitszimmer

Voraussetzungen für ein häusliches Arbeitszimmer –abzugsfähige Kosten Personenbezug statt Objektbezug ermöglicht doppelten Abzug bei Eheleuten

Ein häusliches Arbeitszimmer ist ein abgeschlossener Raum, der seiner Lage, Funktion und Ausstattung nach in die häusliche Sphäre eines Steuerpflichtigen eingebunden ist und vorwiegend der Erledigung gedanklicher, schriftlicher, verwaltungstechnischer oder organisatorischer Arbeiten dient. Die steuerliche Behandlung des häuslichen Arbeitszimmers ist in § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b EStG (Betriebskostenabzug) und § 9 Abs. 5 Satz 1 EStG (Werbungskostenabzug) geregelt.

In den vergangen Jahren hat der Bundesfinanzhof (BFH) viele Entscheidungen zu Fragen im Zusammenhang mit der steuerlichen Berücksichtigung eines häuslichen Arbeitszimmers getroffen, die bisher in den Verwaltungsanweisungen entweder noch anders beantwortet oder (noch) gar nicht angesprochen wurden. Mit seinem Verwaltungsschreiben vom 06.10.2017 hat das Bundesfinanzministerium (BMF) die neue Rechtsprechung des BFH übernommen und sorgt damit für Rechtsicherheit bei den Fragen zum häuslichen Arbeitszimmer.

Grundlegende Voraussetzung für ein häusliches Arbeitszimmer ist eine so gut wie ausschließlich betriebliche und / oder berufliche Nutzung. Dabei ist eine untergeordnete private Mitbenutzung von weniger als 10 % unschädlich.

Für Räume, die bereits nach ihrem äußeren Erscheinungsbild die Voraussetzungen für ein Arbeitszimmer nicht erfüllen, sondern nach ihrer Art oder Einrichtung auch privaten Wohnzwecken dienen, gilt ein Abzugsverbot. Betroffen sind hier z. B. Durchgangszimmer und Arbeitsecken im Wohn- oder Schlafzimmer, für die auch keine anteiligen Aufwendungen abziehbar sind.

Auch Aufwendungen für Räume wie Küche, Bad und Flur, die in die häusliche Sphäre eingebunden sind und überwiegend privat genutzt werden, können bei einem vorliegenden häuslichen Arbeitszimmer nicht in die Ermittlung der Kosten des Arbeitszimmers einbezogen werden.

Die auf das Arbeitszimmer anteilig entfallenden Kosten werden grundsätzlich nach dem Verhältnis der Fläche des Arbeitszimmers zur Gesamtwohnfläche (einschließlich der Fläche des Arbeitszimmers) aufgeteilt.

Darunter fallen insbesondere:

  • Die Miete (bei einer gemieteten Wohnung),
  • die Gebäudeabschreibung (bei einer Eigentumswohnung oder einem eigenen Haus),
  • Hausversicherungen,
  • Grundsteuer,
  • Finanzierungskosten und
  • Betriebskosten (z. B. Strom und Heizung, Schornsteinfeger)

Die dem Arbeitszimmer direkt zuzuordnenden Kosten (z. B. für die Renovierung des Arbeitszimmers) werden in voller Höhe bei der Ermittlung der Aufwendungen für das häusliche Arbeitszimmer berücksichtigt.

Sofern das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten beruflichen oder betrieblichen Betätigung darstellt, können die Kosten unbeschränkt abgezogen werden.

Die Kostendeckelung auf den Höchstbetrag von 1.250 EUR kommt zur Anwendung, wenn das Arbeitszimmer zwar nicht den Mittelpunkt der gesamten beruflichen oder betrieblichen Tätigkeit darstellt, aber einem Steuerpflichtigen für seine Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht (z. B. Lehrer oder Richter, die über keinen eigenen Schreibtisch in der Schule oder im Gericht verfügen, der uneingeschränkt genutzt werden kann).

Wird ein Arbeitszimmer zur Erzielung unterschiedlicher Einkünfte genutzt (z. B. Einkünfte aus einer nichtselbständigen Tätigkeit und einer freiberuflichen Nebentätigkeit) und steht dem Steuerpflichtigen für beide Tätigkeiten kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung, können die insgesamt auf das Arbeitszimmer entfallenden Aufwendungen nur bis zum Höchstbetrag von1.250 EUR als Werbungskosten oder Betriebsausgaben abgezogen werden. Ein mehrfacher Abzug des Höchstbetrags bei unterschiedlichen Einkünften ist nicht möglich.

Die bedeutsamste Änderung der Auffassung des BMF bei den Fragen zum häuslichen Arbeitszimmer ist darin zu sehen, dass der Höchstbetrag von 1.250 EUR nicht mehr objektbezogen als Abzugsbetrag für „ein“ häusliches Arbeitszimmer gesehen wird, sondern als personenbezogener Höchstbetrag zu verstehen ist. Dieser kann nicht mehrfach für verschiedene Tätigkeiten beansprucht werden, sondern ist in diesem Fall auf die unterschiedlichen Tätigkeiten einer Person aufzuteilen. Bei der Nutzung mehrerer häuslicher Arbeitszimmer in verschiedenen Haushalten wird der Höchstbetrag ebenfalls nur einmal (personenbezogen) gewährt.

Für Eheleute und Lebenspartner ergibt sich aus der personenbezogenen Betrachtungsweise die Möglichkeit, bei der gemeinsamen Nutzung eines Arbeitszimmers, den Höchstbetrag von 1.250 EUR zweimal (pro Person) abzuziehen, sofern das Arbeitszimmer nicht den Mittelpunkt der gesamten beruflichen oder betrieblichen Tätigkeit darstellt.

Wenn das gemeinsam genutzte Arbeitszimmer für einen Ehegatten/Lebenspartner den Mittelpunkt seiner gesamten beruflichen oder betrieblichen Tätigkeit darstellt und dem anderen Ehegatten/Lebenspartner für die im häuslichen Arbeitszimmer ausgeübte Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht, kann der eine Ehegatte entsprechend seines Nutzungsanteils seine Aufwendungen zu mehr als 1.250 EUR abziehen, während für den anderen Ehegatten der beschränkte Abzug mit 1.250 EUR gilt.

Beispiel

Die Ehegatten A und B nutzen gemeinsam ein häusliches Arbeitszimmer jeweils mit einem zeitlichen Nutzungsanteil von 50 Prozent. Die Gesamtaufwendungen für das Arbeitszimmer betragen 4.000 EUR und werden von A und B gemäß dem Nutzungsanteil je zur Hälfte getragen. Für A stellt das häusliche Arbeitszimmer den Mittelpunkt seiner gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung dar. B. steht für die im häuslichen Arbeitszimmer ausgeübte betriebliche oder berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung.

Lösung:
A kann 50% von 4.000 EUR = 2.000 EUR als Betriebsausgaben oder Werbungskosten abziehen. Auf B entfallen 50% von 4.000 EUR = 2.000 EUR, von denen jedoch höchstens 1.250 EUR als Betriebsausgaben oder Werbungskosten abgezogen werden können.

Gegenüber der früheren objektbezogenen Betrachtung ergeben sich aus der personenbezogenen Betrachtung für die Steuerpflichtigen bessere Abzugsmöglichkeiten bei der Nutzung eines häuslichen Arbeitszimmers.

(Rechtsgrundlage: BMF-Schreiben vom 06.10.2017, BStBl 2017 I S. 1320)

Veröffentlicht im Februar/März 2018